Ein Einstieg in die Betonfertigteilproduktion ist für viele Bauunternehmen mit hohen Investitionen, langen Vorlaufzeiten und strukturellen Herausforderungen verbunden. Insbesondere bei schwankender Nachfrage oder um schnell in ein neues Projekt einzusteigen, stellt sich häufig die Frage nach einer flexiblen, wirtschaftlich tragfähigen Lösung. Ein modular aufgebauter Schaltisch kann hier eine pragmatische Alternative darstellen, um schnell bereit zu sein, Fertigteile direkt auf oder in unmittelbarer Nähe zur Baustelle zu produzieren.
Flexibles System für den Baustelleneinsatz
Ratec hat vor allem für den Bedarf in asiatischen Ländern einen solchen modularen Schaltisch entwickelt, der speziell für die Herstellung von Betonfertigteilen auf der Baustelle gedacht ist. Das System basiert auf standardisierten Tischsegmenten mit den Abmessungen 1.990 × 3.980 mm, die nach Wunsch und Bedarf kombiniert werden können, um die gewünschte Schalfläche zu erreichen. Dank vorgebohrter Löcher an allen Seiten lassen sich die Segmente sowohl in Längs- als auch in Querrichtung aneinanderschrauben und beliebig erweitern. Auf diese Weise kann die Schalfläche exakt an die Geometrie und Abmessungen der jeweils zu produzierenden Fertigteile angepasst werden. Das Verschrauben ist im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren, bei dem die Segmente verschweißt und anschließend die Oberfläche geschliffen wird, einfacher.
Die Schalfläche besteht aus einem 8 mm starken Stahlblech. Die Arbeitshöhe wird projektspezifisch konfiguriert und lag bei bisherigen Ausführungen in der Regel zwischen 50 und 60 cm. Füße und Stützen zur Höhenanpassung sind separat erhältlich.
Technische Merkmale und Varianten
Der modulare Schaltisch eignet sich für die Herstellung von Betonelementen mit einer Wandstärke von bis zu 450 mm. Neben der Standardversion ist auch eine Light-Version verfügbar, die für Elemente bis zu 250 mm Höhe ausgelegt ist. Beide Varianten zeichnen sich durch ihre robuste Konstruktion, die einfache Montage und die gute Transportfähigkeit aus.
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der Kompaktheit: durch den modularen Aufbau lässt sich der Schaltisch leicht von einem Projekt zum nächsten transportierten, und spart während Ruhezeiten darüber hinaus Lagerplatz. Die einzelnen Segmente können auf genormten Trägern transportiert werden und eignen sich sowohl für den LKW- als auch für den Containertransport. Für das Handling auf der Baustelle sind an jedem Tisch vier Anschlagpunkte vorgesehen, die über Schäkel mit abschraubbaren Stirnseitenrippen verbunden werden. Es besteht auch die Möglichkeit, das Equipment bei Bedarf später in einem Werk fest installieren zu lassen.
Einfache Ausrichtung und Montage
Für die exakte Ausrichtung der Tischsegmente werden Nivellierplatten mit Dicken von 0,5 mm, 1 mm und 2 mm genutzt. Diese dienen als Basis zur Feinjustierung. Zusätzlich verfügen die Tischbeine über Einstellschrauben, mit denen Höhenunterschiede im Untergrund ausgeglichen werden können. Größere Unebenheiten oder Vertiefungen im Untergrund müssen vor der Montage durch geeignetes Füllmaterial nivelliert werden, um eine plane und stabile Aufstellfläche sicherzustellen.
Praxisbeispiele von den Philippinen
Ratec ist seit mehr als 15 Jahren als Ausrüster für philippinische Fertigteilhersteller aktiv. Zu den Kunden zählen einige der größten Bauunternehmen des Landes. Das Interesse an der Betonfertigteilbauweise wächst in dem südostasiatischen Markt kontinuierlich, wird jedoch häufig durch infrastrukturelle Rahmenbedingungen, fehlendes Know-how in der Fertigteilplanung und hohe Investitionskosten für Betonfertigteilwerke gebremst.
Um die daraus entstehende Lücke mit einer praxistauglichen Lösung zu füllen, entwickelte RATEC schon 2019 den ersten modularen Schaltisch für einen Kunden auf den Philippinen – ein Unternehmen, das seit Jahren im Baugeschäft tätig war, jedoch bisher selbst noch keine Betonfertigteile hergestellt hatte.
Ziel war es, unabhängiger von Zulieferern zu werden und die Möglichkeit zu haben, auf der Projektbaustelle eigene Betonfertigteile zu produzieren. Die Fertigung direkt auf oder neben der Baustelle erwies sich dabei als wesentlicher Vorteil gegenüber der Versorgung aus entfernten Fertigteilwerken – sowohl in zeitlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht.
Aktuelle Projekte
Auch in jüngerer Zeit kommt die Lösung auf den Philippinen erfolgreich zum Einsatz. So wurde 2025 ein modularer Schaltisch mit einer Gesamtfläche von 8,00 × 4,00 m realisiert, bestehend aus vier Tischsegmenten. Die Anlage ist für Betonelemente mit Wandstärken bis 450 mm ausgelegt und verfügt über Stützen zur Erreichung einer Arbeitshöhe von 600 mm.
Ein weiteres Projekt befindet sich in der Fertigstellung. Hier wird ein modularer Schaltisch mit den Abmessungen 11,94 × 5,97 m installiert, bestehend aus insgesamt neun Segmenten, ebenfalls ausgelegt für Betonelemente bis 450 mm Höhe.
Kombination mit flexiblen Schalungssystemen
Die Schalfläche ist für die Nutzung von Magnetschalungen optimiert. Als Schalungslösung eignet sich besonders das System Easy Form von Ratec, das sich flexibel an unterschiedliche Geometrien anpassen lässt, gut manuell oder per Kran zu handhaben ist und auch bei Anschlussbewehrungen Vor-teile bietet. In Kombination mit dem modularen Schaltisch entsteht so eine vielseitige Lösung für wechselnde Bauteile und Projekte.
Fazit
Der modulare Schaltisch kann eine mobile, erweiterbare und wirtschaftlich attraktive Möglichkeit bieten, in die Betonfertigteilproduktion einzusteigen, oder bei bereits bestehender Produktion eine baustellennahe mobile Produktionseinheit zur Verfügung zu haben. Durch die geringe Vorlaufzeit, die flexible Anpassbarkeit und die Möglichkeit, Fertigteile baustellennah herzustellen, lassen sich Investitionsrisiken reduzieren und erste Erfahrungen in der Vorfertigung sammeln. Gleichzeitig bleibt die Option offen, die Lösung später in ein stationäres Werk zu integrieren – ein Ansatz, der insbesondere in wachstumsstarken Märkten wie den Philippinen auf großes Interesse stößt.